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Illustration Vincent Hardy

Belfégor°

Kinderbuch, Frankreich, 2006

Es war einmal ein junger Drache namens Belfégor. Er war bereits 505 Jahre alt. Für Menschen klingt das sehr alt, doch für einen Drachen war er noch ein Kind. Belfégor lebte bei seinem Vater, dem mächtigen Tranche-Montagne. Dieser kümmerte sich aufmerksam um seinen Sohn und hoffte, ihn zu einem mutigen und angesehenen Drachen heranwachsen zu sehen.

Doch Belfégor hatte ein Geheimnis, auf das er nicht besonders stolz war. Er konnte noch immer kein Feuer speien. Für Drachen war das jedoch ein wichtiger Schritt. Kein Drache galt als echter Drache, bevor er nicht seine erste Flamme hervorgebracht hatte. Um dies zu schaffen, musste eine schwierige Prüfung bestanden werden: Während eines Gewitters musste der junge Drache einen Blitz verschlucken.

Schliesslich kam der lang ersehnte Tag. Tranche-Montagne nahm seinen Sohn hoch hinauf in den Himmel, damit er sich dem Gewitter stellen konnte. Doch als die ersten Blitze die Wolken durchzuckten und der Donner die Berge erzittern liess, bekam Belfégor grosse Angst. Noch nie hatte er ein so furchteinflössendes Geräusch gehört. Noch nie hatte er gesehen, wie der Himmel so gewaltig aufleuchtete. Sein Herz klopfte so heftig, dass er alles vergass, was er tun sollte. In seiner Panik verlor er den Mut. Statt einen Blitz einzufangen, flog er ungeschickt durch die Wolken davon und wurde bald von seinem Vater getrennt.

Vom starken Regen nach unten gedrückt, stürzte er zwischen die Bäume eines Waldes. Zum ersten Mal war Belfégor ganz allein. Er befand sich in einer Welt, die er kaum kannte, und niemand war da, um ihm den Weg zu zeigen. Zuerst hatte er grosse Angst. Doch weil ihm nichts anderes übrig blieb, ging er weiter durch den dunklen Wald. Tiere kamen zwischen den Bäumen hervor, und eine Kaninchenfamilie führte ihn bis an den Waldrand.

Dort entdeckte Belfégor Blitze, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte! Sie leuchteten in allen Farben! Es war ein Feuerwerk! Ohne Angst lief er darauf zu und verschluckte statt eines Blitzes einen bläulichen Feuerwerksstern.

Stolz kehrte Belfégor zu seinem Vater Tranche-Montagne zurück. Dieser stellte erstaunt fest:

„Einen Stern? Aber das ist sehr gefährlich!“

„Es war ein Feuerwerksstern. Jetzt kann ich Feuer speien. Aber mein Feuer ist ganz blau. Ich hätte lieber rotes Feuer gespien wie du.“

„Man kann nicht immer alles wählen. Aber weisst du, die Farbe spielt keine Rolle. Du bist ein echter Drache, und darauf kommt es an!“

„Belfégor et l’orage“ von L. A. Bourguignon und V. Hardy

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